Trinkwasser desinfizieren: die Verfahren im Vergleich

Zur Desinfektion von Trinkwasser sind in Deutschland Chlor, Natrium- und Calciumhypochlorit, Chlordioxid, Ozon und die UV-Bestrahlung zulässig; so steht es in der Liste des Umweltbundesamts nach § 20 der Trinkwasserverordnung. Warmwasseranlagen lassen sich zusätzlich thermisch desinfizieren. Wasserstoffperoxid führt die Liste nur zur Oxidation, Silber steht dort nicht mehr.

Die Verfahren auf einen Blick

Die Tabelle zeigt, was die Liste nach § 20 der Trinkwasserverordnung und die technischen Regeln zu jedem Verfahren festlegen. Die Werte gelten für Wasser, das als Trinkwasser abgegeben wird.

Verfahren Zweck laut UBA-Liste Restgehalt im Leitungsnetz Reaktionsprodukte Zugabe und Gehalt Grenzen
ChlordioxidDesinfektionmöglichChlorit, ChloratZugabe bis 0,4 mg/l; danach 0,05 bis 0,2 mg/lHerstellung vor Ort oder Dosierung einer fertigen Lösung nach anerkannten Verfahren (DVGW W 224)
ChlorDesinfektionmöglichTrihalogenmethaneZugabe bis 1,2 mg/l freies Chlor; danach 0,1 bis 0,3 mg/lNebenprodukte aus organischen Wasserinhaltsstoffen
Natrium- und CalciumhypochloritDesinfektionmöglichTrihalogenmethane, Bromat, Chloratwie Chlorauch für die Anlagendesinfektion gebräuchlich
OzonDesinfektion, Oxidationnicht anwendbarTrihalogenmethane, BromatZugabe bis 10 mg/l; danach bis 0,05 mg/lim Wasserwerk; wegen AOC-Bildung nicht als letzte Stufe
UV-BestrahlungDesinfektionsverfahrennicht anwendbarkeine Zusatzstoffemindestens 400 J/m² nachgewiesene Wirksamkeitwirkt nur auf das Wasser am Einbauort
Thermische DesinfektionAnlagendesinfektion von Warmwasserentfälltkeinemindestens 70 °C für mindestens 3 Minuten an jeder EntnahmestelleTemperatur muss jede Entnahmestelle erreichen; Verbrühungsgefahr
Wasserstoffperoxidnur Oxidation, nicht DesinfektionentfälltentfälltZugabe bis 17 mg/l; danach bis 0,1 mg/lfür die Anlagendesinfektion in DVGW-Regeln genannt
Silbernicht mehr in der Listeentfälltentfälltentfälltfrüher nur Konservierung im Ausnahmefall

Quellen: UBA-Liste nach § 20 TrinkwV, Stand Januar 2023; DVGW, Hambsch 2009 (Restgehalt, AOC); LGL Bayern (thermische Desinfektion). Vollständige Liste unten.

Welche Verfahren sind in Deutschland zulässig?

Nach § 19 Abs. 3 der Trinkwasserverordnung dürfen bei der Aufbereitung nur Stoffe und Verfahren eingesetzt werden, die in der Liste nach § 20 stehen. Das Umweltbundesamt führt diese Liste. In ihrem Teil für Stoffe zur Desinfektion stehen genau fünf Stoffe: Calciumhypochlorit, Chlor, Chlordioxid, Natriumhypochlorit und Ozon. Die UV-Bestrahlung ist als Desinfektionsverfahren aufgeführt, wenn das Gerät eine Wirksamkeit von mindestens 400 Joule je Quadratmeter nachgewiesen hat, geprüft nach DVGW W 294-2 oder DIN 19294-1.

Die thermische Desinfektion ist kein Aufbereitungsstoff, sondern ein Verfahren zur Desinfektion von Warmwasseranlagen. Die technischen Regeln dafür stehen in DVGW W 551 und W 551-3.

Was bedeutet Restgehalt oder Depotwirkung?

Ein Desinfektionsmittel mit Restgehalt schützt das Wasser auch auf dem Weg durch das Leitungsnetz. Nach einer Veröffentlichung des DVGW-Technologiezentrums Wasser bewirken Chlor und Chlordioxid normalerweise eine wirksame Desinfektion und können gleichzeitig einen Restgehalt im Leitungsnetz sicherstellen. Deshalb werden sie häufig als letzte Stufe der Aufbereitung eingesetzt.

UV-Bestrahlung und Ozon können das nicht. Für beide vermerkt die UBA-Liste, dass das Verfahren nicht anwendbar ist, um eine Desinfektionskapazität im Leitungsnetz aufrechtzuerhalten. Die UV-Bestrahlung gibt dem Wasser keine Stoffe zu; sie wirkt nur auf das Wasser, das am Gerät vorbeifließt.

Welche Nebenprodukte entstehen?

Jedes chemische Verfahren hat eigene Reaktionsprodukte, die die UBA-Liste ausdrücklich nennt. Bei Chlor und Hypochloriten sind es Trihalogenmethane, bei Hypochloriten zusätzlich Bromat und Chlorat. Bei Ozon sind es Trihalogenmethane und Bromat. Bei Chlordioxid sind es Chlorit und Chlorat.

Die Trinkwasserverordnung begrenzt diese Stoffe in Anlage 2: Trihalogenmethane auf 0,050 mg/l in der Summe, Bromat auf 0,010 mg/l, Chlorit auf 0,20 mg/l und Chlorat auf 0,070 mg/l bei dauerhafter Dosierung. Die Einzelheiten zu Chlordioxid stehen auf der Seite Grenzwerte, Chlorit und Chlorat.

Warum Wasserstoffperoxid und Silber keine Trinkwasser-Desinfektionsmittel sind

Wasserstoffperoxid steht in der Liste nach § 20 nur im Teil für allgemeine Aufbereitungsstoffe, mit dem Verwendungszweck Oxidation. Im Teil der Stoffe zur Desinfektion fehlt es. Für die Desinfektion von Anlagen, nach der das Wasser verworfen und nachgespült wird, nennen die DVGW-Arbeitsblätter W 291 und W 551-3 Wasserstoffperoxid neben Natriumhypochlorit und Chlordioxid als bewährte Chemikalie.

Silber steht in der aktuellen Liste nicht mehr; spätestens seit 2019 ist es gestrichen. Frühere Fassungen erlaubten Silber nur zur Konservierung von gespeichertem Wasser, bei nicht systematischem Gebrauch im Ausnahmefall. Auch die Richtlinie Nr. 5 für die Schiffshygiene ordnet Silberpräparate nur der Konservierung zu.

Für Besitzer von Wohnmobil und Boot heißt das: Steht auf dem Etikett Ihres Mittels Silber oder Wasserstoffperoxid, lohnt ein Blick auf den Etikett-Test.

Welches Verfahren passt zu welcher Anwendung?

AnwendungWas die Regeln vorsehenMehr dazu
Hausinstallation mit LegionellenUrsachenklärung und Risikoabschätzung nach § 51 TrinkwV; als Maßnahmen unter anderem Temperatur nach DVGW W 551, thermische oder chemische Anlagendesinfektion, bei hohen Befunden Sofortmaßnahmen wie endständige FilterLegionellen
Trinkwasser auf SchiffenRichtlinie Nr. 5 erlaubt Natriumhypochlorit, Calciumhypochlorit und ChlordioxidWohnmobil und Boot
Wassertank in Wohnmobil und WohnwagenDIN 2001-2: Trinkwasserversorgung aus nicht ortsfesten AnlagenWassertank reinigen
Trinkwasserschlauch auf Fest und BaustelleDVGW-Hinweise: spülen; bei Auffälligkeiten Anlagendesinfektion nach W 551-3 und W 291 durch ein FachunternehmenTrinkwasserschlauch
SchankanlageReinigung und Desinfektion nach DIN 6650-6 und den Hinweisen der BGNZapfanlage und Bierleitung
Behandlungseinheit beim ZahnarztSpülen nach KRINKO; bei hoher Koloniezahl Desinfektion in Abstimmung mit dem HerstellerBehandlungseinheit

Wo steht biostream® ZERO in diesem Vergleich?

biostream® ZERO ist ein Konzentrat auf Basis von Chlordioxid. Der Anwender setzt es aus zwei Komponenten an; nach 3 Stunden ist das Konzentrat fertig. Damit lassen sich Tanks, Schläuche, Leitungen, Schankanlagen und die Wasserwege von Behandlungseinheiten desinfizieren, ohne eigene Anlage zur Herstellung von Chlordioxid. Die Menge für eine Anwendung berechnet der Dosierrechner.

Wirksamkeit geprüft. In 1.620 Einzeltests am Institut für Lebensmittelwissenschaft und Ökotrophologie der Leibniz Universität Hannover (Leitung Dr. rer. nat. H.-D. Werlein) wurde für biostream® ZERO eine Wirksamkeit von 99,9 % gegenüber im Trinkwasser vorkommenden Keimen nachgewiesen, bei 5 Minuten Einwirkzeit.

Untersuchung, Methodik und Prüfumfang im Detail ›

Zwei Paarvergleiche vertiefen einzelne Fragen: Chlordioxid oder Chlor und Chlordioxid oder UV-Desinfektion.

Häufige Fragen zum Vergleich

Welche Desinfektionsmittel sind für Trinkwasser zulässig?

Die Liste des Umweltbundesamts nach § 20 der Trinkwasserverordnung nennt zur Desinfektion Calciumhypochlorit, Chlor, Chlordioxid, Natriumhypochlorit und Ozon. Dazu kommt die UV-Bestrahlung als Desinfektionsverfahren. Andere Stoffe dürfen zur Desinfektion von Trinkwasser nicht eingesetzt werden.

Was ist besser für Trinkwasser: Chlor oder Chlordioxid?

Beide stehen in der Liste zur Desinfektion und können einen Restgehalt im Leitungsnetz halten. Sie unterscheiden sich bei den Nebenprodukten: Bei Chlor nennt die Liste Trihalogenmethane, bei Chlordioxid Chlorit und Chlorat. Den ausführlichen Vergleich finden Sie unter Chlordioxid oder Chlor.

Hilft eine UV-Anlage gegen Legionellen in der Hausinstallation?

Eine UV-Anlage desinfiziert nur das Wasser, das am Gerät vorbeifließt. Einen Restgehalt im Leitungsnetz kann sie nicht aufbauen; die UBA-Liste hält fest, dass das Verfahren dafür nicht anwendbar ist. Keime, die sich hinter dem Gerät in Leitungen halten, erreicht die UV-Bestrahlung nicht.

Reicht eine thermische Desinfektion?

Sie wirkt, wenn an jeder Entnahmestelle mindestens 3 Minuten lang mindestens 70 °C anliegen. So beschreibt es das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Erreicht das heiße Wasser eine Stelle nicht, etwa eine selten genutzte Leitung, bleibt sie unbehandelt. Das Kaltwasser erfasst die thermische Desinfektion nicht.

Darf ich Wasserstoffperoxid für den Wassertank verwenden?

Als Mittel zur Desinfektion von Trinkwasser führt die Liste nach § 20 Wasserstoffperoxid nicht, nur zur Oxidation. Für die Desinfektion von Tanks und Leitungen, nach der das Wasser verworfen und gespült wird, nennen DVGW-Regeln Wasserstoffperoxid als bewährte Chemikalie. Chlordioxid ist in beiden Fällen aufgeführt.

Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.